Dienstag, 27. Oktober 2009

Servants-Gemeinschaft

Seit etwas mehr als einer Woche leben und arbeiten wir nun schon in der Vancouver Servants-Gemeinschaft mit. Hier ein kleiner Einblick in unseren Tagesablauf:

6:45 bis 8:30 Uhr (2 Mal pro Woche) Besuch eines lokalen Drop-In Centers für Obdachlose. Gemeinschaft bei Kaffe und Gebäck, gefolgt von worship und einem Input.

9:00 Gebet im Team, z.T. auch zusammen mit anderen Gemeinschaften.

9:30 - 12.00 Arbeit in verschiedenen Projekten, z.B. im Community-Garten, Besuche, Kunstprojekte etc.

12.15 Gebet, z.T. wieder mit anderen Gruppen zusammen

Nachmittag wieder Arbeit in verschiedenen Projekten

ab ca. 17 Uhr  treffen verschiedenste Leute fürs gemeinsame Nachtessen ein, welches dann ab 18 Uhr bis ca. 20 Uhr dauert.

20 - 21 Uhr an verschiedenen Abenden Teamweiterbildung, Creative World Justice meeting u.a.

21 Uhr Gebet in der Gemeinschaft

Uns gefällt besonders der Rhythmus der Gemeinschaft, der durch die 3 Gebetszeiten gegeben ist. So besteht neben viel Ungeplantem (Besuche von Leuten von der Strasse) eine Grundstruktur, die der Gemeinschaft Stabilität und Verbundenheit stiftet.
In den praktischen Projekten versuchen wir immer noch, Fuss zu fassen, da sehr vieles eher langfristig über Beziehungen läuft (das eigentliche Ziel sind Beziehungen, da in Downtown Eastside schon genug andere "service providers" bestehen, die Essen aushändigen oder Traktate verteilen). Zum Glück für mich gibt es aber auch konkrete "hands on" Dinge zu tun, wie z.B. die Pflege des Communitiy-Gartens.

Ok, hier noch einige Bilder:

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Downtown Eastside Vancouver

Sonntag Mittag sind wir in Vancouver gelandet. Es ist nicht das erste Mal für uns in dieser super schön zwischen Bergen und Meer gelegenen Hafenstadt...die Umstände jedoch könnten wohl kaum verschiedener sein. Letztes Mal haben wir bei Freunden in der reichen und schönen Downtown-Area gewohnt, dieses Mal gings in die Downtown Eastside, ein heruntergekommenes Quartier mit über 2000 Obdachlosen und der höchsten HIV-Quote ausserhalb Afrikas. (Mehr interessante Hintergrundinfos auf http://www.servantsasia.org/index.php/canada/vancouver-community).

Hier werden wir für die nächsten 2 Wochen und dann ab Dezember nochmals einige Zeit wohnen, bis wir wissen, wie es für uns genau weitergeht. Servants Vancouver ist eine sogenannte "Intentional Community", wo die Teammitglieder in einer Gemeinschaft mit regelmässigen Strukturen wie Gebet oder gemeinsame Mahlzeiten leben und "radikale Gastfreundschaft" zu pflegen versuchen. D.h. dass die Türen jederzeit offen sind für Leute von der Strasse, die hier Gemeinschaft erleben können. Das Angebot wird auch rege genutzt, vor allem ums Abendessen herum.
Neben 4 festen Teammitgliedern sind 3 Leute hier, die sich für Einsätze in Asien vorbereiten, und einige, die ausserhalb wohnen, aber viel Zeit hier verbringen und mithelfen. Zusammen mit uns sind wir ca. 10 Erwachsene und 3 Kinder in der Gemeinschaft. Dazu kommen jeweils 1-10 Gäste.

Die Nachbarschaft hier ist ziemlich rauh, es ist viel kälter als in Kalifornien und es hat viele viele neue Leute. Das macht v.a. Ellie ein wenig zu schaffen! Sonst geht es uns gut, wir sind daran, uns vom Kulturschock zu erholen und sind schon voll in die "ministries" eingestiegen...Leute in drop-ins treffen, im Garten arbeiten, Büroarbeiten erledigen, für die Gemeinschaft kochen etc. Es wird uns wohl nicht mehr so schnell langweilig :)

Unten einige erste Eindrücke: Unser Zimmer, der Gemeinschaftsbereich, der Gemeinschaftsgarten.


Dienstag, 13. Oktober 2009

Südliches Südkalifornien - Heiliger Diego

Hey! Stimmt, es ist einige Zeit her seit dem letzten Eintrag. Dies hat folgende Gründe: 1) letzte Woche war vor allem mit Besuchen und mit Malerarbeiten gefüllt...das gibt keine tollen Bilder oder Geschichten. 2) von Freitag bis heute hatten wir kein Internet, da wir uns in den Süden Südkaliforniens begaben...wo's noch etwas wärmer ist und wo wir glücklicherweise in Strandnähe einige Freunde haben :)

Freitag bis Sonntag waren wir in Carlsbad (nein, nicht in der Tschechei), eigentlich hätte es ein erweitertes Family-Weekend werden sollen (mit 7 Leuten)...schliesslich waren wir dann aber nur zu dritt (lange Geschichte, komplizierte Familie)...so schlimm war's dann aber doch nicht am Strand mit viel Sonne und tollen Wellen :)



 

Sonntag bis Dienstag haben wir dann Freunde besucht in Oceanside und in San Diego...





Ebenfalls besucht haben wir den weltberühmten San Diego Zoo...wo Ellie vor allem Freude an den Ziegen im Streichelzoo hatte (nächtes Mal gehen wir auf einen Bauernhof, ist billiger :) und an den Affen ("mii" = Katzte; sie unterteilt alle Tiere in zwei Kategorien: "wuf wuf" und "mii"....bei den Elefanten hatte sie etwas Mühe :)

Wir Erwachsenen wollten natürlich unbedinge die Pandas sehen, wofür wir dann auch lange angestanden sind...um zwei schlafende Exemplare auf einem Baum zu sehen....ihr könnt also durchaus einen Teddybären zu Hause auf eine eurer Topfpflanzen setzten, etwa 10 Meter zurücktreten, und voila, dasselbe Erlebnis stellt sich ein :)




Tja, jetzt sind wir auch schon wieder zurück in Victorville, noch bis Samstag. Dann geht's los mit Servants in Vancouver. Wir freuen uns und sind gespannt! Nächstes mal werde ich wohl von dort aus bloggen!

Seid alle lieb gegrüsst!

p.s. Ellie's Vokabular wächst, halb deutsch, halb englisch: wufwuf, mii (miau), tii (teeth), baby, chi (chips), abe (hinunter), nei nei nei, mami, papi, top i (stop it), do (da).........



Samstag, 3. Oktober 2009

Endlich mal ein Grandpa

Hallo! Ich bin zurück, Ellie Hope. Mir geht es ganz gut, meinen Eltern übrigens auch nicht schlecht. In der Zwischenzeit hab ich schon einige neue Wörtlein gelernt, z.B. mii (miau = Büsi), nei nei nei (= nein :) etc...aber ihr möchtet ja von meinen Erlebnissen hören. Nun, nach all den Greatgrandmas wurde es höchste Zeit, endlich meinen zweiten Grandpa kennen zu lernen (den einen kenne ich ja schon seit mehr als einem Jahr). Mein Ami-Grosspapi heisst Fred und wohnt ca. 45 Minuten weg von meiner Grandma. Er ist ganz nett und lustig, und spielt mega gut Gitarre. Auch seine Frau ist nett. Am nettesten ist der Hund Sophia, den ich an den Haaren ziehen kann und es macht ihm nicht mal was aus.



Eine Woche haben wir bei Grandpa Fred verbracht und viele Dinge unternommen: Eine Bootsfahrt nach Catalina Island (zuerst eine Stunde im Auto, dann eine auf dem Boot, dann haben wir ein Boot gemietet (2h), dann wieder alles zurück....(manchmal verstehe ich die Erwachsenen nicht, sie hätten auch einfach meinen aufblasbaren Pool aufstellen können, da hätte ich auch Wasser zum Planschen gehabt).



Einen Tag waren wir auf der Los Angeles County Fair...ganz speziell...man bezahlt fürs Parkieren, dann für den Eintritt, dann für das Essen und die Attraktionen (ausser der Streichelzoo, der war gratis). Mir haben die Hunde in der Hundeshow gefallen.



Einen Tag waren wir am Strand in Santa Monica...ich mag den Sand nicht an meinen Füssen, und die lange Autofahrt...dafür find ich die Wellen spannend, und das Wasser schmeckt so komisch.



Der Ausflug zum Apple Festival (Apfel- und Mostdegustation) war toll. Die Äpfel fand ich nicht spezieller als jene, die ich zum Zvieri essen muss...aber es war so schön kühl in den Bergen und hatte so viele Schatten spendende Bäume. Das fand ich schön.



An einem Tag gingen wir in ein riesen Einkaufsladengebäude mit so vielen Einkausläden, dass ich sie gar nicht zählen konnte (ich kann noch nicht zählen) und waren den ganzen Nachmittag darin. Mit hat der Teppich am Boden gefallen, wo ich herumspringen konnte.

Am Sonntag kamen alle Verwandten, das war anstrengend (Greatgrandma Nummer 4) und alle Grossonkel und Grosstanten (die mein Vater auch noch nie gesehen hat). Am Abend war ich sehr müde!

Gestern sind wir an einen tollen See gefahren. Und dann wollten meine Eltern unbedingt Wandern gehen (4 Gründe sprechen dagegen: die Hitze, die langen Anfahrtswege, gesperrte Strassen wegen Waldbrandgefahr, man muss einen Wanderpass kaufen)...und ich hatte natürlich keine Lust dazu und hab den ganzen Weg geschrieen! Auf dem Rückweg sind wir 20 Kilometer auf einer ungeteerten, sehr holprigen und löchrigen Strasse gefahren (zum Glück im Mietauto). Papi war glaub ich etwas nervös. Ich hab viel geschlafen.



Jetzt sind wir wieder zurück in Victorville. Ich gehe nun ein Schläfchen machen!

P.S. Habt ihr den letzten September-Post schon gelesen (Helfende Hände)?

Mittwoch, 30. September 2009

Helfende Hände

Zum Glück haben wir kurz vor unserer Ausreise von der Vineyard-Gemeinde als Abschiedsgeschenk T-Shirts mit der Aufschrift "Helping Hands" bekommen. Da ich insgesamt nicht mehr als 7 Shirts mitgenommen habe, kommt besagtes Exemplar fast wöchentlich in die erste Auswahl...und inspiriert mich dazu, mich mit meiner momentanen Situation als Reisender bzw. Arbeitsloser bzw. Wartender auseinanderzusetzen.

Gestern zum Beispiel wurde ich gefragt, ob ich meine Arbeit vermisse. Eine gute Frage. Nach gut 13 Wochen ohne reguläre Anstellung merke ich immer mehr, wie wertvoll die geregelten Arbeitswochen waren. Natürlich waren wir auch beschäftigt im July, August und September....aber die Frage nach dem Job kommt so häufig, dass ich sie fast gezwungenermassen irgendwie mit meiner Identität verbinde. Dazu kommt, dass das Gefühl der Entspannung viel intensiver und dadurch auch angenehmer ist, wenn man hart dafür gearbeitet (ja, auch Lehrer arbeiten hart :) und es sich somit "verdient" hat. Nichts tun am Sonntag macht nur wirklich Spass, wenn dei Woche vorher streng war, oder? Wie kann daher z.B. ein Abreitsloser geniessen? Ist der Mensch auch wertvoll ohne Job? (Natürlich, denkt ihr jetzt...aber kann er sich auch wirklich wertvoll fühlen?). Wann ist eine Auszeit "verdient"?....Viele solche Fragen beschäftigen mich in den letzten Tagen....

Und bringen mich immer wieder zurück zum T-Shirt....helping hands...helfende Hände...anderen Menschen freiwillig und gratis etwas Gutes tun. Damit in der Gesellschaft einen kleinen Beitrag leisten, die Welt ein kleines winziges bisschen verbessern...das habe ich neu entdeckt hier während unserer etwas speziellen Ferien- Besuchs- Wartezeit  -  Sinn und Freude stiftende kleine Einsätze.

So haben wir uns entschieden, möglichst an jedem Tag irgend ein kleines oder grösseres Projekt in Angriff zu nehmen: Rasen von Tannennadeln befreien.  Garage entrümpeln und Gegenstände den Nachbarn verschenken. Küche und Wohnzimmer streichen etc.....mal sehen, was nochh auf uns zukommt...hier noch einige Bilder dazu:


Sonntag, 20. September 2009

Wir bleiben beschäftigt

Da Ellie letztes Mal so viel erzählt hat und einige Blog-Leser bzw. -Betrachter eher visuelle Präferenzen zu haben scheinen, kommt hier ein light-Beitrag mit vielen Bildli :)
 

Ellie in den sicheren Armen der US-Armee (personifiziert durch Ashleen's Bruder Anthony)



All-American Pro-Footballer...den haben wir per Zufall auf der Strasse angetroffen. (Bitte beachtet die elegante Fangbewegung)



Wir haben eine Rockband gegründet...starring lead-singer Jeremy (Ashleens Bruder), Krystal (Ash's Schwester) am Schlagzeug, Thomas (Ashleens Mann :) an der Gitarre (bitte beachtet seine konzentrierte Performance), Kacey (Ash's Neffe) am Bass, weiter Shane und Ellie als Back- bzw. Foregroundtänzern. Name der Band noch ungewiss, aber vielleicht etwas mit Bitter und Sonne...oder einfach Falvian...:)



Kinder-Football...Kacey spielt, Jeremy als Coach...man hat uns gesagt, dass man Kinder ab 5 Jahren anmelden kann....vielleicht wäre so eine Ausrüstung ein sinnvolles Geburigeschenk für Ellie's 5. Geburtstag...nur falls Götti keine andere Idee hat...



Wieder sind wir mit Instandstellungs- und Renovationsarbeiten beschäftigt (davon später mehr)...allen voran Ellie, die neuerdings gerne mit feuchten Waschlappen herumläuft....erster Schritt im Sauberkeitstraining?)


Ok, hoffentlich langweilen wir euch, geschätzte Leser, nicht mit unserer  Amerika-Trivia...a propos Trivia: "How to Have a Better Marriage"...diesen Buchtitel haben wir letzthin in der Trivia-Abteilung einer Buchhandlung gesichtet, neben all den "How to Become a Pro Poker Player"- Exemplaren...:)

Wie dem auch sei-d gegrüsst!








Mittwoch, 16. September 2009

Ellie's Einsichten

Hallo! Mein Name ist Ellie und ich bin 14 Monate alt. Heute habe ich entschieden, auch mal einen Blog-Eintrag zu machen. Natürlich tippe ich ihn nicht selber, ich darf ja nicht am Computer "spielen". Mein Vater tippt für mich...ihm scheint eh manchmal etwas langweilig. So bleibt er beschäftigt.

Aber genug von diesen Nebensächlichkeiten. Ich will euch ja von meinem Alltag erzählen. Also vor einigen Tagen bin ich mal wieder in einem neuen Raum aufgewacht. Ich kann mich gar nicht mehr an all die Räume erinnern, die "mein Zuhause" waren in den letzten 2 Monaten. Zum Glück darf ich in meinem kleinen Zelt schlafen, wenn sich um mich herum immer alles ändert....a propos Veränderung: vieles ist hier anders für mich im Vergleich zur Zeit vor dem grossen Flug. Das beginnt schon mit dem Frühstück: Die Orangensaftpackung scheint mir etwa viermal so gross wie früher. Zudem wählt Mami (ich darf ja nie selber wählen) jetzt nicht aus 2 Frühstücksflocken die gesündere Sorte aus, sondern aus etwas zehn. Das find ich noch lustig...ich mein, dass es so viele Sorten gibt: Ringlein, Quadrate, Flocken, Kissen, mit Honig, mit Zimt, mit Mandeln, mit Zucker, Reis, Weizen, Vollkorn...damit könnte ich meinen ganzen Morgen füllen...wie dem auch sei, alles scheint mir hier grösser zu sein...ist eigentlich komisch, sollten die Dinge nicht kleiner sein, wenn ich grösser werde? Grössere Häuser, grössere Autos, grössere Fernsehgeräte (ausser jene von Dani T. und Michi B.), grössere Leute (im Umfang), grössere Distanzen (im Auto)...a propos Auto fahren: das machen wir fast jeden Tag, einmal steuert Papi, dann wieder Mami...und immer scheint derjenige, der nicht steuert, besser zu wissen, wie es geht...das verstehe ich nicht ganz....eigentlich verstehe ich vieles nicht ganz, was Mami und Papi machen. Zum Beispiel gehen wir in so ein grosses Haus, wo viele Dinge herumstehen, und ich sitze dann in einem Gitterwagen, werden herumgestossen, während sich der Wagen langsam mit Dingen füllt, die eigentlich schon zu Hause herumstehen (z.B. Frühstücksflocken oder Chips)...dabei gäb es viel tollere Dinge zu kaufen...farbige Spielsachen und so...

Viele für ein Kleinkind wie mich sehr kuriose Dinge spielen sich ab, seit ich nach dem grossen Flug aus dem Flugzeug gestiegen bin. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das einfach zum Aufwachsen gehört, oder ob ich in einem kuriosen Land gelandet bin (da man auch auf dem Wasser landen kann...kann man auf dem Land wassern?...Sprache ist auch etwas kurioses für mich....ok, mein Papi mag jetzt nicht mehr tippen, aber ich werde euch auf dem Laufenden halten, was ich hier so erlebe!

Liebe Grüsse an alle Kinder, ihre Mamis und Papis, Grosis und Opas und deren Freunde!